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Wie nachhaltig ist das deutsche Gesundheitssystem?

Eine Reise durch die Nachhaltigkeitsdimensionen des deutschen Gesundheitssystems.

Eine Reise durch die Nachhaltigkeitsdimension des deutschen Gesundheitssystems.

Wie kann die Nachhaltigkeit des deutschen Gesundheitssystems bewertet werden?

Was ist Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit beschreibt einen maßvollen und verantwortungsbewussten, generationengerechten Ressourcenumgang. [1]

Was ist ein nachhaltiges Gesundheitssystem?

Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen zeichnet sich durch Ressourcenschonung, Generationengerechtigkeit, aber auch durch die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit vor, nach und in Krisenzeiten aus. [2]

Was kann der Nachhaltigkeitsindex abbilden?

Um eine Bewertung der Nachhaltigkeit des deutschen Gesundheitssystems zu erreichen, wurde der Nachhaltigkeitsindex entwickelt. Dafür wurden Dimensionen definiert und mit zahlen- und datenbasierten Indikatoren befüllt. So wird der Status quo der Nachhaltigkeit des deutschen Gesundheitssystems beschrieben.

Erst durch Zielvorgaben können der Status quo und die Entwicklung der Nachhaltigkeit des Gesundheitssystems bewertet werden.

26 %

der definierten Indikatoren weisen Zielvorgaben auf.

Wie funktioniert der Index?

Bestimmung von Dimensionen

Messbarmachung durch Zerlegung in Kategorien und bewertbare Indikatoren

Identifikation von Zielvorgaben, um den Zielerreichungsgrad zu bestimmen

Diagramm zur Erklärung der Funktion des Index
Portrait von Prof. Dr. Wolfgang Greiner der Universität Bielefeld

Prof. Dr. Wolfgang Greiner,
Universität Bielefeld

“Wie kann es gelingen, das Leistungsniveau im Gesundheitswesen langfristig zu erhalten oder sogar zu steigern? Investitionen in Nachhaltigkeit – sowohl in sozialer, ökologischer, ökonomischer als auch gesundheitlicher Hinsicht – und Krisensicherheit sind hierfür unabdingbar. Dabei haben wir weniger ein Wissens- als ein Daten- und Umsetzungsproblem. Gefördert werden sollten deshalb Digitalisierung und Datenvernetzung sowie die Definition von Nachhaltigkeitszielen und deren Evaluation als Bestandteil einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie im Gesundheitswesen.”

Key Facts

Aufbau Index

6

Nachhaltigkeits­dimensionen

26

Nachhaltigkeits­kategorien

304

Nachhaltigkeits­indikatoren

Bewertung der Daten

26 %

Zielverfügbarkeit

85 %

Datenverfügbarkeit

GUT

Datenqualität

Bewertbare Trends

41 %

Positiv

3 %

Neutral

56 %

Negativ

Knapp 63 % der Indikatoren sind hinsichtlich ihrer Trendentwicklung nicht bewertbar.

Zurückzuführen ist das auf eine lückenhafte Datenverfügbarkeit (insb. in der sozialen Nachhaltigkeitsdimension) und/oder eine geringe Zielverfügbarkeit (insb. in der ökonomischen Nachhaltigkeitsdimension).

Ärztin im Gespräch mit einer Seniorin
Arzt beim ansetzen einer Impf-Spritze am Oberarm
Ärztin mit Kind das einen Teddy-Bären hält
Einer Seniorin wird beim tragen ihrer Einkäufe geholfen

Nachhaltigkeit ist also prinzipiell messbar, aber wir wissen ohne Nachhaltigkeitsziele und Daten nicht bzw. nur in Teilen, wie nachhaltig das deutsche Gesundheitswesen heute bereits ist.

Was sind die Ergebnisse?

Hier sehen Sie die sechs Dimensionen des Nachhaltigkeitsindex auf einen Blick. Beim Klick auf die Dimension erfahren Sie weitere Details zu den darunterliegenden Kategorien sowie deren Indikatoren, den Zielvorgaben, zu Datenqualität und ‑verfügbarkeit sowie zu den Trends.

Kurzfassung

Die Dimension der Rahmenbedingungen wird durch die Kategorien „Demografie“, „Sozioökonomischer Hintergrund“ und „Ökologischer Hintergrund“ beschrieben. Hier werden Größen zusammengefasst, die eine Bewertung der weiteren Nachhaltigkeitsindikatoren ermöglichen, indem sie ein Bezugssystem dafür liefern.

Kategorien

Demografie
Sozioökonomischer Hintergrund
Ökologischer Hintergrund
42 %

Zielverfügbarkeit

24

Anzahl Indikatoren

8 %

Anteil an allen Indikatoren

100 %

Datenverfügbarkeit

Sehr gut

Datenqualität

46 %

Kein Trend ableitbar

62 %

Positiver Trend

0 %

Neutraler Trend

38 %

Negativer Trend

Kurzfassung

Die soziale Nachhaltigkeitsdimension fokussiert die Menschen des Gesundheitssystems, sowohl Leistungserbringer als auch -inanspruchnehmer. Die Dimension wird durch die Kategorien der „Responsiveness“ und der „Gerechtigkeit“ beschrieben. Auffallend ist, dass in dieser Dimension viele Datenlücken vorliegen.

Kategorien

Responsiveness
Gerechtigkeit
20 %

Zielverfügbarkeit

11

Anzahl Indikatoren

4 %

Anteil an allen Indikatoren

64 %

Datenverfügbarkeit

Gut

Datenqualität

36 %

Kein Trend ableitbar

14 %

Positiver Trend

43 %

Neutraler Trend

43 %

Negativer Trend

Kurzfassung

Die ökonomische Dimension bildet die Gesundheitsausgaben und -einnahmen sowie den Einnahmensaldo der GKV ab. Die meisten Indikatoren dienen der Abbildung der Ausgabenseiten. Alle Indikatoren, ausgenommen von jenem, der den einheitlichen Beitragssatz abbildet, haben sich im betrachteten Zeitraum steigend entwickelt. Ergänzt werden diese Informationen um Daten zu Krankheitskosten und der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Gesundheitswirtschaft.

Kategorien

Gesundheitsausgaben
Krankheitskosten
Gesundheitseinnahmen
Einnahmenüberschuss bzw. GKV-Defizit
Volkswirtschaftliche Bedeutung der Gesundheitswirtschaft
0 %

Zielverfügbarkeit

46

Anzahl Indikatoren

15 %

Anteil an allen Indikatoren

98 %

Datenverfügbarkeit

Gut

Datenqualität

93 %

Kein Trend ableitbar

67 %

Positiver Trend

0 %

Neutraler Trend

33 %

Negativer Trend

Kurzfassung

Mit der ökologischen Dimension wird die Beziehung zwischen dem Gesundheitssystem, den involvierten Akteuren und der Umwelt dargestellt. Genutzt werden dafür die Kategorien „Ressourcenumgang“, „Gesundheitsrisiken durch Umgebung“ und „Ökologisches Management“. Letztere konnte mangels einer ausreichenden Datenverfügbarkeit nicht bewertet werden.

Kategorien

Ressourcenumgang
Gesundheitsrisiken durch Umgebung
Ökologisches Management
56 %

Zielverfügbarkeit

34

Anzahl Indikatoren

11 %

Anteil an allen Indikatoren

71 %

Datenverfügbarkeit

Gut

Datenqualität

35 %

Kein Trend ableitbar

55 %

Positiver Trend

0 %

Neutraler Trend

45 %

Negativer Trend

Kurzfassung

Die gesundheitliche Dimension wird durch den organisatorischen und den epidemiologischen Teilbereich aufgearbeitet. Zu der Organisation von Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen tragen die Kategorien „Governance“, „Zugang“, „Institutionen“, „Beschäftigte“, „Produkte“, „Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen“, „Qualität der Leistungserbringung“ und die aufgeteilte Kategorie „Resilienz“ bei.

Kategorien

Governance
Zugang
Institutionen
Beschäftigte im Gesundheitswesen (Workforce)
Produkte
Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen
Qualität der Leistungserbringung
Resilienz
15 %

Zielverfügbarkeit

116

Anzahl Indikatoren

38 %

Anteil an allen Indikatoren

87 %

Datenverfügbarkeit

Gut

Datenqualität

72 %

Kein Trend ableitbar

36 %

Positiver Trend

0 %

Neutraler Trend

64 %

Negativer Trend

Kurzfassung

Die gesundheitliche Dimension wird zudem durch einen epidemiologischen Teilbereich beschrieben, durch welchen gesundheitsbezogene Zustände sowie deren Entwicklung erfasst und nachvollziehbar gemacht werden. Der epidemiologische Teilbereich der gesundheitlichen Dimension gliedert sich in die Kategorien „Resilienz“, „Lebenserwartung“, „Mortalität“, „Morbidität“, „Sonstige Aspekte des Gesundheitszustandes“ und „Risikofaktoren“.

Kategorien

Resilienz
Lebenserwartung
Mortalität
Morbidität
Sonstige Aspekte des Gesundheitszustandes
Risikofaktoren
41 %

Zielverfügbarkeit

73

Anzahl Indikatoren

24 %

Anteil an allen Indikatoren

78 %

Datenverfügbarkeit

Gut

Datenqualität

51 %

Kein Trend ableitbar

33 %

Positiver Trend

0 %

Neutraler Trend

67 %

Negativer Trend

Ein älteres Paar sitzt glücklich nebeneinander auf einem Sofa
Eine Frau ließt sich die Packungsbeilagen von Medikamenten durch die sie in Ihrer Hand hält.

Drei Beispiele aus dem Nachhaltigkeitsindex verdeutlichen, wo Handlungsbedarf besteht.

Soziale Dimension
Gesundheitlich-organisatorische Dimension
Gesundheitlich-epidemiologische Dimension

Indikator: Nicht erfüllter Bedarf nach ärztlicher Untersuchung oder Behandlung

Trend

Sehr gut

Datenqualität

EU27

Referenzwert

Keine Zielvorgabe

Als Gründe für den nicht erfüllten Bedarf werden finanzielle Ursachen, Wartelisten oder zu lange Anfahrtswege genannt. Der Indikatorwert betrug sowohl in den Jahren 2020 und 2021 0,1 %, stieg im Jahr 2022 auf 0,3 % leicht an und sank zuletzt im Jahr 2023 auf 0,2 %. Der deutsche Wert (hellblau) liegt unter dem EU-27-Durchschnittswert (dunkelblau). Der Vergleich mit den Referenzdaten zeigt, dass sich die Werte in Deutschland positiv entwickelt haben. [3] Dennoch fehlt eine Fixierung dieser positiven Entwicklung in Form von Zielvorgaben.

Indikator: Anzahl Risikomeldungen Medizinprodukte

Trend Trendbewertung noch nicht final möglich

Sehr gut

Datenqualität

Keine Zielvorgabe

Die Anzahl der Risikomeldungen bzgl. Medizinprodukte hat in den letzten Jahren zugenommen. Lag die Zahl 2020 noch bei 23.120, betrug sie im Folgejahr 32.145 und im Jahr 2022 lag sie bei 35.521 Meldungen. Daten für das Jahr 2023 waren Ende 2024 noch nicht veröffentlicht. [4] Die Bewertung des Trends muss jedoch vorsichtig behandelt werden, da durch das Fehlen einer Zuordnung von Zielvorgaben eine abschließende Bewertung nicht möglich ist.

Indikator: Vorzeitige Sterblichkeit Männer und Frauen

Trend

Sehr gut

Datenqualität

Zielvorgabe vorhanden

69%

Zielerreichungsgrad

Insgesamt lag die vorzeitige Sterblichkeit in Deutschland im Jahr 2020 bei 267 je 100.000 Einwohner*innen, stieg im Folgejahr auf 280 je 100.000 Einwohner*innen an und sank im Jahr 2022 auf 276 und im Jahr 2023 weiter auf 266 je 100.000 Einwohner*innen. Bei Männern ist die vorzeitige Sterblichkeit im Vergleich zu Frauen erhöht. Im Jahr 2020 lag sie für Männern bei 343, 2021 bei 361, 2022 bei 352 und 2023 bei 339 je 100.000 Einwohnern. Im Jahr 2020 lag die vorzeitige Sterblichkeit von Frauen bei 189, 2021 bei 198, 2022 bei 199 und 2023 bei 192 je 100.000 Einwohnerinnen. [5] Der Trend wird negativ bewertet, da die Entwicklungen von den Zielvorgaben der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) abweichen. Die DNS gibt vor, dass die vorzeitige Sterblichkeit bzgl. Männer auf 190 Todesfälle je 100.000 Männer gesenkt werden soll, bzgl. der Frauen soll die Ziffer auf 100 gesenkt werden. [6]

Wie wurde der Nachhaltigkeitsindex entwickelt?

Der Konstruktion des Nachhaltigkeitsindex liegt das Bestreben zugrunde, Nachhaltigkeit des Gesundheitssystems möglichst ganzheitlich abzubilden. Durch die damit verbundene Berücksichtigung von interdisziplinären Zusammenhängen, die über die klassischen Sektorengrenzen des Gesundheitswesens hinausgehen, wird ein systemtheoretischer Ansatz verwendet.

Die Limitierungen im Überblick

Konzeptionelle Limitationen

Die Daten des Nachhaltigkeitsindex aggregieren sich nicht zu einer zentralen „Nachhaltigkeitskennzahl“, welche ein vereinfachendes Urteil über den Nachhaltigkeitsgrad des deutschen Gesundheitssystem fällt.

Datenbezogene Limitationen

Dadurch, dass die notwendigen Daten, in unterschiedlicher Datenqualität bei verschiedenen Datenhaltern vorliegen, ist die Vergleichbarkeit der Daten bzw. die Möglichkeit diese in Beziehung zueinander zu stellen mitunter eingeschränkt. Berücksichtigt werden sollte auch, dass es sich um Durchschnittswerte handelt, wodurch die Performance der einzelnen Bundesländer abweichen kann. Häufig liegen die Daten nur punktuell und in stark veralteter Form vor. Limitierend ist, dass sich viele Daten auf GKV-Versicherte beziehen und bspw. im Rahmen der Darstellung der Morbidität PKV-Versicherte nicht berücksichtigt wurden. Bei der Verwendung von Kennzahlen, die in Verbindung mit der Bevölkerungszahl stehen, muss berücksichtigt werden, dass diese Bevölkerungszahl durch eine Bevölkerungsfortschreibung, basierend auf den Daten des letzten Zensus, beruht. Dieser stammt aus dem Jahr 2011 und ist damit veraltet.

Indexbezogene Limitationen

Eine Limitation des entwickelten Index besteht darin, dass durch die Konkretisierung der Dimensionen eine Zuordnung von Indikatoren erfolgt. Die Zuordnung dieser zu den Dimensionen und Kategorien kann in einigen Fällen auch auf alternative Weise vorgenommen werden (bspw. kann die Anzahl Heißer Tage oder die mittlere Konzentration der PM10-Feinstaubexposition anstatt der ökologischen Dimension auch den Rahmenbedingungen zugeordnet werden). Eine weitere Limitation ist, dass der Nachhaltigkeitsindex stetig aktualisiert und an gesellschaftspolitische sowie rechtliche Veränderungen angepasst werden muss. Das flexible und breite Konstrukt des Index ermöglicht auch eine Integration von Änderungen des Gesundheitssystems (bspw. eine mögliche Abkehr von der dualistischen Finanzierung der Krankenhäuser erneut zu einer Monistik oder bspw. die geplante Einführung von Gesundheitskiosken). Anzumerken ist, dass die entwickelte Struktur des Nachhaltigkeitsindex nicht ohne Anpassung auf weitere Länder übertragbar ist, da besondere Spezifika des deutschen Gesundheitssystems (bspw. hinsichtlich der Finanzierung) in den Index eingearbeitet wurden.

Wie nachhaltig ist das deutsche Gesundheitssystem also?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Grund dafür ist, dass es nur für 26 % aller Nachhaltigkeitsindikatoren einen Zielwert gibt, anhand dessen eine Bewertung der Nachhaltigkeit möglich ist.

Portrait von Jun.-Prof. Dr. Verena Vogt

Jun.-Prof. Dr. Verena Vogt,
Department of Health Care Management,
Berlin Centre of Health Economics Research (BerlinHECOR),
Technische Universität Berlin

“Von einem nachhaltigen Gesundheitssystem erwarte ich, dass es qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung bereitstellt und dabei für zukünftige Generationen finanzierbar bleibt. Gleichzeitig sollte es sozial gerecht und umweltschonend gestaltet sein. Um den Umsetzungsfortschritt auf dem Weg zu einem nachhaltigen Gesundheitssystem zu überprüfen, braucht es zum einen wohldefinierte und messbare Ziele und zum anderen eine umfassende Datenbasis und ein präzises Monitoring.”

Publikationen

Nachhaltigkeit des deutschen Gesundheitssystems

Die vollständigen Daten und Analysen zur Bewertung der Nachhaltigkeit des deutschen Gesundheitssystems sind in den folgenden Berichten zusammengefasst.

Nachhaltige Versorgung Chronische Nierenkrankheit

Der Nachhaltigkeitsindex bildet auch eine Grundlage, um Themenschwerpunkte der Nachhaltigkeit des deutschen Gesundheitssystems, wie die nachhaltige Versorgung Chronischer Nierenkrankheit, aufzuarbeiten.